Über uns:

Wer steckt hinter dem 50er Jahre Museum Datteln? Mein Name ist Kevin Nikodem. Ich bin am 16. Februar 1993 in Datteln geboren. Ich bezeichne mich gerne als echter Ruhrpottler. Denn ich bin in der Dattelner Beisenkamp Kolonie aufgewachsen und habe noch als einer der letzten im Ruhrbergbau meine Ausbildung gemacht und noch fast 10 Jahre „aufm Pütt“ malocht. Als Kind verbrachten mein Bruder und ich viel Zeit bei unseren Großeltern (väterlicherseits). Dort stand im Wohnzimmer eine alte Musiktruhe der Firma Grundig.

Mit 12 Jahren fragte ich meine Oma:

„Oma was ist das da für ein Teil?“

und wie die Ruhrpott- Omas so sind, antwortete sie:

„Hömma dat is vonne Omma ihr altet Radio!

Da hasse keine Ahnung von!“ 

„Mach mal an!“ antwortete ich prompt.

Leicht genervt legte sie mir eine alte Freddy Quinn Schallplatte auf den Plattenspieler. Diese lief dann aber mit der falschen Geschwindigkeit. Das Geleier was dann kräftig und laut aus dem Lautsprecher ertönte hatte es mir angetan! Wie zum Teufel ist es nur möglich das aus einer schwarzen Plastikscheibe Musik raus kommt? Sofort war es um mich geschehen. Jeden Tag nach der Schule ging ich direkt zur Oma Mittagessen. Im Anschluss zog es mich vor Omas alte Musiktruhe. Dort spielte ich Caterina Valente, Freddy Quinn, Fred Bertelmann und wie sie nicht alle hießen rauf und runter, bis mir das Blut aus den Ohren floss. Meine Oma wurde bald verrückt von dem ständigen Gedudel! Da musste eine Lösung her.

„Junge das Ding muss hier raus! Wir stellen dir die Truhe in dein Kinderzimmer. Dann kannst du dudeln so viel wie du willst.“

Gesagt getan. Mein Onkel und mein Vater schleppten den Apparat in mein Kinderzimmer. Nun war ich endlich im 7. Himmel. Ich konnte wann, wie und solange ich wollte vor der Musiktruhe hocken und Omas alte Platten hören. Wie der Teufel es wollte, ging die Musiktruhe nach einiger Zeit kaputt. Das gute Stück war immerhin auch schon 33 Jahre alt. Leider fanden wir in Datteln und Umgebung keine Firma, die uns das gute Stück wieder herrichten konnte. Meine Großeltern wollten sie schon an die Straße stellen für den Sperrmüll. Dies konnte ich aber mit großem Protest verhindern. Also machte ich mich auf die Suche. Im Internet fand ich tatsächlich ein Forum für historische Rundfunkempfänger. Mit Hilfe der Fachleute im Forum konnten ich dann via Ferndiagnose das Gerät wieder zum Laufen bringen. Meine Oma fand das ganze überhaupt nicht lustig. Was hat schließlich ein 12-Jähriger am elektrischen Strom zu suchen? Garnichts. Als ich ihr das frisch reparierte Gerät dann vorführte war sie böse auf mich, da ich gegen ihren Willen an dem Gerät weitergearbeitet hatte. Wie Omas aber nun mal so sind, war sie aber auch fürchterlich stolz auf mich. Sie erzählte allen Leuten, wie talentiert ich doch bin.

„Der Junge wird mal ein super Elektriker!“

Meine Begeisterung für diese alten Dinge sprach sich in Datteln und Umgebung schnell herum. Es kamen immer mehr Leute zu uns die mir weitere Geräte, Möbel, Schallplatten, alte Lampen, Geschirr etc. brachten. Die Folge daraus: Mit 14 Jahren hatte ich bereits ein komplettes 50er Jahre Wohnzimmer als Kinderzimmer mit allem, was dazu gehört und eine beachtliche Röhrenradio Sammlung. Aufgrund von Platzmangel und Unverständnis meiner Eltern zog ich dann mit 18 Jahren in meine erste eigene Wohnung. Die Jahre zuvor hatte ich bereits alles, was man so für eine ganze 50er Jahre Wohnung brauchte in Kellern und Garagen zusammengetragen. Das Puzzle musste also nur noch zusammengesetzt werden. Meine erste eigene Wohnung an der „Kleinen Castroper Straße“ war mein absoluter Traum. Endlich konnte ich alles so gestalten und einrichten, wie ich wollte. Mein Perfektionismus und meine Detail- Verliebtheit sprachen sich schnell rum. Im Jahr 2015 kam dann das erste Mal der WDR für einen TV- Bericht zu mir.

„Kevin und sein Traum vom Wirtschaftswunder“

Es waren schöne Jahre dort. Allerdings war die Wohnung immer ein Kompromiss. Es gab moderne Bodenbeläge, moderne Türen und ein modernes Badezimmer. Es war nun mal eine Mietwohnung. Daher hatte ich immer den Traum ein echtes altes Zechenhaus im Beisenkamp zu kaufen, um es dann in eine perfekte 50er Jahre Zeitkapsel zu verwandeln. Dieser Traum erfüllte sich am 20. September 2019. Die andere Haushälfte vom Haus meiner Großeltern wurde mir zum Kauf angeboten. Da galt es nicht lange zu überlegen. Naiv wie ich war, ging ich also an meinen großen Kindheitstraum.

Original Bauplan 1910

„Das 50er Jahre Zechenhaus“

Leider stellte sich schnell heraus das der Zustand des Hauses bedeutend schlechter als erwartet war. Ich zitiere an dieser Stelle mal einen Satz aus dem Gutachten von damals:

„Der Zustand der Immobilie ist als so schlecht zu erachten, das alternativ zur Kernsanierung auch ein Abriss empfohlen wird.“

Also wurde es am Ende eine komplette Kernsanierung. Aber keine klassische Kernsanierung, sondern ein Rückbau der besonderen Art. Ich habe das Haus komplett (nach alten Fotos und Bauplänen) in den Originalzustand von 1955 zurückversetzt.

Original Bauplan 1910

Das sorgte schnell für Aufsehen in der Nachbarschaft. Mein lieber Nachbar Sebastian ist unser Lokalredakteur bei der Dattelner Morgenpost. Als Dankeschön, das ich ihm und seiner Frau damals deren Haus vermittelt habe, sagte er mir „Kevin ich bringe dich ganz groß raus!“ Ich konnte mir damals absolut nicht vorstellen das sich mitten in Corona irgendwer für einen bekloppten 27 Jährigen interessiert der ein altes Haus saniert hat. Heiligabend 2020 kam dann der große ganzseitige Bericht in die Dattelner Morgenpost: „Zurück in die Vergangenheit“ – Kevin sitzt mit Mops auf dem Schoß vorm festlich geschmückten Weihnachtsbaum. Verzeit mir diesen Ausdruck… aber von diesem Moment an sind die „Mutti´s“ dahin geschmolzen. Ein Fernsehsender nach dem nächsten gab sich die Klinke in die Hand. Und immer mehr Menschen begannen sich für mein Schaffen zu interessieren. Immer mehr Menschen wollten sich mein Haus anschauen. Ich fragte mal eine Dame, die bei mir für ein Interview war: „Können Sie sich erklären, warum die Leute sich so sehr für das alles hier interessieren?“

„Herr Nikodem, Sie haben ein Stück heile Welt geschaffen. Die Leute sehnen sich nach einer heilen Welt in diesen trüben Zeiten!“

Noch immer sichtlich überrascht musste ich schnell einsehen das es so nicht weiter gehen kann. Die Idee vom „50er Jahre Museum Datteln“ war geboren. Im September 2022 begann sich dann auch die Stadt Datteln für mein Museum zu interessieren. Seither arbeitet das 50er Jahre Museum Datteln mit der VHS zusammen.

Bisher gab es 90 Fernsehberichte und über 150 Zeitungsartikel in ganz Europa über mich und mein Projekt (Stand Januar 2024).

Seit dem 13.03.2024 wird das Museum vom 50er Jahre Museum Datteln e.V. betrieben.

 

Hier ein paar Impressionen aus der Sanierungsphase: